Die Post bleibt nach dem Superwahljahr 2024 in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres bei Umsatz und Ertrag leicht hinter dem Vorjahr zurück. Unternehmen sparen bei Werbeausgaben, das Briefgeschäft steht schon länger unter Druck. Der Bereich Paket & Logistik wächst schaumgebremst. Dennoch sieht Konzernchef Walter Oblin den gelben Riesen bei der Präsentation der Quartalszahlen "als einen stabilen Felsen in der Brandung". Das Unternehmen habe sich "in Summe positiv entwickelt".
Das gelte auch für die Bank99, die "erwachsen geworden sei". Fünf Jahre nach dem Start nützen rund 300.000 Kundinnen und Kunden den Finanzdienstleister, die Bilanzsumme liege bei 4,1 Milliarden Euro, heuer will man den Break-even erreichen. Die erste Senior-Preferred-Anleihe sei mit einem Volumen in der Höhe von 85 Millionen Euro am Kapitalmarkt platziert worden und 2,2-fach überzeichnet gewesen. Einen möglichen IPO sieht Oblin "doch noch etwas in der Zukunft", aber es werde weitere Kapitalmaßnahmen geben.
Ausgebaut werden soll auch weiterhin das Selbstbedienungsangebot. In Wien hätten mittlerweile 75 Prozent der Einwohner eine SB-Filiale im "Schlapfenradius" (250 Meter laut Definition der Post). Investieren will man auch im Logistikbereich. Zum Beispiel in der Türkei, dem wichtigsten Auslandsmarkt der Post. Auch dort seien die Zeiten herausfordernd, aber "die Türkei ist ein wichtiger Brückenkopf in spannende Märkte" wie Georgien, Usbekistan, Irak. Man folge in Kooperation mit Partnern den türkischen Online-Shops.
Passend zur neuen Werbekampagne der Post – "Immer da, wenn du uns brauchst" – will die Post neben Finanzdienstleistungen und Einzelhandel (shöpping.at) im zweiten Quartal 2026 eine neue Mobilfunkmarke ausrollen (als virtueller Mobilfunker, unter Nutzung des A1-Netzes). Die Vertriebspartnerschaft mit A1 wird auslaufen.
Für das Gesamtjahr bleibt Oblin "verhalten optimistisch". Gut drei Milliarden Umsatz will man erzielen. In den ersten drei Monaten ist der Umsatz um 1,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zurückgegangen, das operative Ergebnis (Ebit) um 6,6 Prozent auf 135 Millionen Euro geschrumpft. Während zahlreiche teilstaatliche und staatliche Postkonzerne in Europa schwer trudeln würden, sei die Post stabil mit hohem Eigenkapital und starkem operativen Cash Flow. Letzterer lag nach den vergangenen drei Quartalen des heurigen Jahres bei 239,6 Millionen Euro, ein Plus im Jahresvergleich von 4,5 Prozent. Auch beim Eigenkapital legte das Unternehmen von 710,7 auf 724,5 Millionen Euro zu.
Was das bevorstehende Weihnachtsgeschäft betrifft, so werde nun das Team Christkind wieder aktiv. Mitarbeitende aus der Verwaltung bis hin zu den Managern des Konzerns sollen ein bis zwei Tage "an der Front mithelfen", etwa in den Zustellbasen. Zusätzlich zu den 20.000 Beschäftigten in Österreich nimmt die Post rund 1000 Personen auf. Dazu kämen Überstunden und Wochenenddienste bei den Beschäftigten. Vor allem den Jungen unter ihnen streut der Postchef Rosen. "Die Lehrlinge zeigen, dass junge Menschen leistungsfähig sind." Leistungsfähig sei auch die E-Flotte der Post mit 6000 E-Autos. Auch wenn das Pendel in Sachen Klimaschutz hin- und herschwinge: E-Mobilität bewähre sich "technisch und wirtschaftlich". 2030 will man die letzte Meile komplett mit E-Autos bedienen. (Regina Bruckner, 12.11.2025)
2025-11-12T14:12:38Z